Themenwoche Kriminalität

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von drehscheibe-Redaktion

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Im Jahr 1981 überfällt ein Mann eine Sparkasse in Bensheim, erschießt einen der herbeigerufenen Polizisten und verwundet einen anderen schwer. Bernhard Kimmel, damals von einigen auch „Al Capone von der Pfalz“ genannt, hat seine Strafe mittlerweile verbüßt und ist wieder frei. Der einstige Verbrecher wird von Constantin Lummitsch, Redakteur der VRM-Gruppe, aufgespürt und mit seinen Taten konfrontiert. Auch mit dem Polizisten, der seit dem Überfall querschnittsgelähmt ist, sprach der Journalist über das Verbrechen und das Leben danach.

Herr Lummitsch, wie kamen Sie auf die Idee, neben Kimmel auch eins seiner Opfer zu interviewen?

Lokalzeitungen nahmen den Jahrestag eines Kimmel-Verbrechens zum Anlass für Rückblicke. Die Opfer kamen darin kaum vor, das fand ich nicht so gut. Deshalb nahm ich Kontakt mit einem querschnittsgelähmten Opfer von Kimmel auf, das bisher nicht im Fokus der Lokalzeitungen stand.

Ihre Reportage ist ja sehr umfangreich. Neben Auszügen aus den Gesprächen bauen Sie auch viele Hintergrundinformationen mit ein. Wie haben Sie recherchiert?

Ich habe erstmal viele Artikel aus unserem Verlagsarchiv gelesen. Die Verlagsarchive sind ein Segen! Hier stieß ich auf Details, vom Wetterbericht bis zu Namen von Betroffenen, die einfach so in der Zeitung standen. Die alten Zeitungsausgaben zeigten mir auch, wie Journalisten in den 70er- und 80er- Jahren Kriminalfälle aufarbeiteten: vor allem sehr täterbezogen. Außerdem bat ich die Staatsanwaltschaft Darmstadt um Einblick in die Akten. Es war ein Umzugskarton voller Leitz-Ordner. Anhand der Fotos, Tatortskizzen, Gerichtsprotokolle, Verhöre und Polizeiberichte konnte ich rekonstruieren, wie das Verbrechen ablief. Das meiste Material konnte ich leider nicht in meiner Reportage unterbringen. Und ich sah mir die Dokumentarfilme von Peter Fleischmann an. Wichtig war mir, mit Täter und Opfer persönlich zu sprechen.

Das klingt nach sehr viel Arbeit. Wie aufwendig war es denn, den Beitrag zu produzieren?

Es war sehr aufwendig. Um den Fall aus der Sicht des Opfers zu rekonstruieren, musste ich die Polizeiberichte lesen, das dauerte. Auch musste ich Kimmel aufspüren - das war sehr kompliziert. Er hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Als ich dann seinen Wohnsitz herausfand und ihm schrieb, antwortete er nicht. Ich bin dann einfach hingefahren und er stimmte einem Gespräch zu.

Und wie haben die Leser auf die Story reagiert?

Bei den Feedbacks fiel mir auf: Viele Bürger hatten Angst vor Kimmel. Der Tenor war: Es ist wichtig, über Kimmels Opfer zu schreiben.

 

Link Hier geht's zur Mulitmedia-Reportage der VRM.

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