Austausch in intensiven Zeiten
von Stefan Wirner
Führungskräfte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum trafen sich vom 9. bis zum 11. September in München zur Redaktionskonferenz „Verantwortung übernehmen“. Vor allem viele junge Kolleginnen und Kollegen waren da, um sich über Teamleitung, die Möglichkeiten von KI und Resilienz auszutauschen. Wir haben bei einigen nachgefragt, was sie mit nach Hause in die Redaktionen nehmen.
Neue Methoden
Ich schätze den Austausch mit den vielen Kollegen aus ganz unterschiedlichen Zeitungen und aus ganz Deutschland, das ist wirklich interessant. Man erfährt viel über neue Methoden, heute zum Beispiel über Gesprächsführung, wie man Menschen helfen kann, das nützt auf jeden Fall im Redaktionsalltag. Der Besuch bei Ippen.Media war besonders interessant, weil die Kollegen dort schon sehr weit sind beim Thema KI. Das hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Ich kann vieles, was Markus Knall gesagt hat, nachvollziehen. Ob es dann am Ende genau so kommen wird, das wird sich zeigen.
Nadine Klose ist stellvertretende Redaktionsleiterin der Rheinpfalz
Thema KI
Ich nehme die Konferenz als einen sehr, sehr guten und intensiven Austausch wahr. Hier kommen völlig unterschiedliche Redakteurinnen und Redakteure aus unterschiedlichen Verlagen zusammen. Wir sprechen sehr offen über Themen, und es ist ersichtlich, dass viele die gleichen Probleme haben, obwohl die Voraussetzungen sehr unterschiedlich zu sein scheinen.
Besonders spannend ist das Thema KI, weil es uns im Redaktionsalltag seit ein paar Jahren vermehrt beschäftigt und man viele Jahre nicht so ganz wusste, in welche Richtung es geht. Ich fand den Input beim Besuch von Ippen total interessant, auch wenn das alles von der Metaebene betrachtet wurde. Es sehr zum Nachdenken angeregt.
Amelie Schröer ist Teamleiterin der Regionalredaktion der Südwestpresse in Ulm
Blick auf die Forschung
Wichtig ist auf jeden Fall der Austausch mit anderen Führungskräften. Das ist für mich ein Highlight, dass hier so viele junge Führungskräfte sind, die sich den Herausforderungen der Zeit stellen. Inhaltlich finde ich den Blick auf die Forschung interessant. Das kommt im Alltag oft zu kurz, dass man so das große Ganze sieht. Wohin bewegen wir uns? Wo sind wir in fünf Jahren? Das finde ich spannend.
Beate Laurenti ist stellvertretende Ressortleiterin der Fürther Nachrichten
Transformationsprozesse
Highlights gibt es viele, finde ich, aber eines, was sich bei mir eingeprägt hat, das waren die Zahlen aus dem Vortrag von Professor Schützeneder von der Universität der Bundeswehr. Der hat uns noch einmal bewusst gemacht, welchen Stellenwert wir als Lokaljournalisten haben. Er sagte, die Menschen vertrauen gleich nach den Tagesthemen und dem heute-journal ihrem Lokaljournalisten vor Ort am meisten. Und das macht einem klar, dass man nicht der völlig unbedeutende Dorfreporter ist, sondern ein wichtiger Informationslieferant für die Menschen zu Hause. Man ordnet ein, man liefert Informationen, man ist da sehr, sehr wichtig.
Zu denken gegeben hat mir die Info zu den Transformationsprozessen. Ich glaube, das kennt fast jeder Arbeitnehmer auch aus seinem Berufsalltag. Mittlerweile haben wir so viele Transformationen, es besteht die Gefahr, dass man sich vor lauter Transformieren überfordert. Früher gab es im Jahr in einem Unternehmen zwei größere Transformationsprozesse, mittlerweile sind es zehn. Sieben von den zehn Transformationsprozessen scheitern aber. Die Welt ist schnelllebiger geworden, Globalisierung, Digitalisierung, wir kommen dieser Transformation nicht aus, aber wir müssen trotzdem lernen, damit umzugehen. Das ist eine Riesenherausforderung.
Tobias Gräf ist stellvertretender Reporterchef Süd der Oberpfalz Medien
Vorurteile
Das Wichtigste ist der Austausch mit den Kollegen und die Möglichkeit zu vergleichen, wie weit die anderen sind in der digitalen Transformation. Wie sind die personell ausgestattet, wie läuft es bei den anderen?
Hier auf der Konferenz sind sehr viele junge Führungskräfte, junge Leute, die Verantwortung übernehmen wollen. Was ist Ihr Eindruck von denen?
Im Grunde sind die so, wie ich früher war. Sie setzen sich intensiv mit den Älteren auseinander, ein wenig werden da die gleichen Vorurteile gepflegt wie früher.
Welche Vorurteile?
Dass die Alten sich dem Neuen eher verweigern. Das halte ich persönlich für Unsinn, aber das zieht sich scheinbar durch die Generationen.
Martin Teschke ist Teamleiter Friesland der Ostfriesen-Zeitung
Dauertransformation
Es ist eine sehr schöne Sache, sich so mit Kollegen auszutauschen zu können, die in ähnlichen Situationen sind. Man lernt viel darüber, was deren Problemlagen oder Herausforderungen sind und man merkt natürlich sofort, dass das ähnliche Dinge sind. Viele Medienhäuser befinden sich ja in einer Dauertransformation, und man merkt, dass es oft die gleichen Dinge sind, mit denen die anderen zu tun haben. Das gibt ein bisschen Kraft, weil man merkt, dass man nicht alleine ist, und man kann viel lernen voneinander.
Julius Lukas ist Reporter der Mitteldeutschen Zeitung
Optimismus
Frau Fugunt, wir erleben jetzt hier bei der Konferenz mehrere Tage lang sehr viele junge Führungskräfte aus dem Lokaljournalismus. Was haben Sie für einen Eindruck von ihnen?
Ich bin sehr optimistisch, wenn ich die sehe. Ich finde es toll, mit welcher Gewissenhaftigkeit sie sich Gedanken darüber machen, wie sie Teams führen können und was für eine große Rolle dabei Kommunikation spielt. Sie sehen die Leute in ihrem Team immer auch als Menschen, die sie gut führen wollen. Ich glaube, so kann exzellente Führung entstehen.
Isolde Fugunt ist journalistische Direktorin und Geschäftsführerin des IFP
Die Umfrage und weitere Videos von der Konferenz gibt es demnächst auf drehscheibe.org/video
Ein Nachbericht gibt es in der drehscheibe 11/2026.
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