Lokaljournalistenpreis 2018

Preisgekrönte Lokaljournalisten

von Katharina Dodel

Für den Lokaljournalistenpreis 2018 gab es 390 Einsendungen. Foto: pauchi/Fotolia

Die Gewinner des Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung Jahrgang 2018 stehen fest. Der erste Preis geht diesmal nach Chemnitz, der zweite erneut nach Pforzheim.

Aus der Erklärung der Jury:

  • 1. Preis: Freie Presse aus Chemnitz für das Leserdebatten-Format „Chemnitz diskutiert“ und ein Leserforum mit Bundeskanzlerin Angela Merkel
    26. August 2018: Ein 35-jähriger Mann wird mitten in Chemnitz erstochen, in der Folge kommt es zu Kundgebungen mit zum Teil gewalttätigen Ausschreitungen. (...) Die Stadt fällt in einen Schockzustand, der bis heute nachwirkt. Die Freie Presse übernimmt in einer extrem aufgeheizten Situation gesellschaftliche Verantwortung und entwickelt mit dem ungewöhnlichen Dialog-Format „Chemnitz diskutiert“ sowie einem großen Leserforum mit der Bundeskanzlerin ein Angebot an die Stadtgesellschaft, das den offenen, kontroversen und respektvollen Austausch überhaupt erst ermöglicht. Der Redaktion gelingt, was in polarisierenden Debatten oft untergeht: auch der verunsicherten, schweigenden Mitte Gehör zu verschaffen. (...) Insbesondere in einer Zeit, da sich immer mehr Menschen von klassischen Medien abwenden, zeigt die Freie Presse in herausragender Weise, was Lokaljournalismus unverzichtbar macht. Hier geht es zu einem der Texte.

  • 2. Preis: Pforzheimer Zeitung für das crossmediale Projekt „50 Jahre Tornado“
    Am 10. Juli 1968 fegte ein Tornado durch Pforzheim und die Region, zwei Menschen starben, 300 wurden verletzt, mehr als 3000 Häuser zerstört. 50 Jahre später erinnern die Redakteure Isabel Ruf und Simon Walter mit einer aufwändigen Multimedia-Reportage und einer Serie in der Printzeitung an das Ereignis, eine Podiumsdiskussion ergänzt das Projekt. (...) Die sorgfältig recherchierten und klug präsentierten Inhalte geben einen umfassenden Überblick über das Drama und ziehen die Leser und User emotional in ihren Bann. Ein historisches Thema in modernstem lokaljournalistischem Gewand. Hier geht es zur Multimedia-Reportage.

  • 3. Preis: Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für die investigative Recherche zu Pannen bei der Landtagswahl in Hessen
    Nach der Landtagswahl in Hessen am 29. Oktober 2018 schauten die Redakteure Tobias Rösmann, Rainer Schulze und Matthias Trautsch die Ergebnisse der Frankfurter Wahlbezirke genauer an. Einige Zahlen machten sie stutzig, sie recherchierten akribisch und hartnäckig und legten nach und nach gravierende Fehler bei der Auszählung der Stimmen bloß. Schließlich konnten auch die Verantwortlichen in der Stadt und im Land das Ausmaß der Pannen nicht mehr leugnen. Ganz im Sinne eines lösungsorientierten Journalismus zeigte das Team zudem Vorschläge auf, wie sich Fehler bei der Stimmauszählung künftig vermeiden ließen. Die Redakteure werden ihrer Wächterfunktion mit einer beispielhaften Rechercheleistung gerecht. Hier geht es zu einem der Texte.
  • Sonderpreis für Volontäre: Katia Henriette Backhaus von der Kreiszeitung Syke für das Projekt „Klimawandel in der Region. Wie sich die Umwelt in Niedersachsen verändert“
    Wie wirkt sich der Klimawandel vor der eigenen Haustür aus? Die Volontärin Katia Henriette Backhaus ist dieser Frage für ihre Region in Niedersachsen nachgegangen. In ihrem Multimedia-Projekt thematisiert sie Aspekte wie Temperaturanstieg, Ernte, Nitratbelastung, Verschiebung der Jahreszeiten sowie innovative Ansätze, dem Klimawandel auf lokaler Ebene zu begegnen. Dazu bindet sie Analysen, Beiträge aus den Redaktionen der Kreiszeitung und Videos in ihr Dossier ein und verknüpft dies mit den Ergebnissen des Klimareports Niedersachsen. Auf diese Weise schafft sie ein sachlich fundiertes und überzeugend umgesetztes Gesamtbild, das die lokalen Auswirkungen eines globalen Problems begreifbar macht. Hier geht es zur Multimedia-Umsetzung.

Für den Deutschen Lokaljournalistenpreis 2018 gab es insgesamt 390 Einsendungen. Von den 341 Einreichungen zum allgemeinen Wettbewerb waren außer den Preisträgern noch folgende Arbeiten in die Endauswahl gelangt. Das sagt die Jury:

  • Der neue Tag/Amberger Zeitung – Tote am Eisernen Vorhang
    Eine Serie über Todesfälle an der deutsch-tschechisch-österreichischen Grenze zwischen 1948 und 1989 und späte Gerechtigkeit.
  • Hamburger Abendblatt – Der Kampf um David
    Eine Reportage über den Fall eines Jungen, der vom Jugendamt in Obhut genommen wird – ein Fall, in dem es nur Verlierer gibt.
  • Neue Osnabrücker Zeitung – Immobilienboom und Wohnungsnot
    Eine Serie über eine Wohnungsbaugesellschaft, explodierende Immobilienpreise und horrende Mieterhöhungen.
  • Südkurier (Konstanz) – Die Enttarnung einer Fastnachtsikone
    Eine Recherche über einen legendären Karnevalisten und die über viele Jahrzehnte verdrängten Verstrickungen im Nationalsozialismus.
  • WAZ (Essen) – Projekt ProBo
    Im Langzeitexperiment entwickelt die Zeitung konkrete Lösungen für den Lokaljournalismus der Zukunft.
    Die drehscheibe hat das Projekt im Jahr 2017 bereits vorgestellt. Hier geht es zum Artikel aus Ausgabe 13/17.

Von den 49 Einsendungen zum Volontärswettbewerb standen neben dem Preisträger-Projekt in der Endauswahl:

  • Märkische Allgemeine Zeitung (Potsdam) – Jugend in Brandenburg
    Ein crossmediales Dauerprojekt über Erwachsenwerden zwischen Hierbleiben und Weggehen.
  • Südwest Presse (Ulm) – Heimherz
    Projekt und Serie für die Zeitung, im Netz, auf der Bühne und sogar im Kartenspiel.
  • VRM (Mainz) – Zwei Leben – Bilanz einer Todesnacht
    Eine Multimedia-Story über einen ehemaligen Verbrecher und sein Opfer.


+++++ Mehr über die Gewinner und die Zeitungen, die es in die Endauswahl geschafft haben, erfahren Sie in der Juli-Ausgabe der drehscheibe!

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