Presseschau

Widerspruchslösung bei Organspende abgelehnt

von Hendrik Mühlenbrock

Sie bleiben weiterhin das Mittel der Wahl: Organspendeausweise. (Foto: Fotolia/mpix-foto)
Sie bleiben weiterhin das Mittel der Wahl: Organspendeausweise. (Foto: Fotolia/mpix-foto)

Eine schlechte Nachricht für die zahlreichen Patienten, die in Deutschland auf ein Spenderorgan warten: Die geplante „doppelte Widerspruchslösung“, die jeden Bürger zum Organspender gemacht hätte, es sei denn, er hätte dem widersprochen, wurde vom Bundestag abgelehnt. Allerdings sollen die Bürger künftig besser über das Thema informiert werden, um die Zahl der Organspenden dennoch zu erhöhen. Wie Lokalzeitungen die Entscheidung aufgefasst haben, lesen Sie hier.

Der Bonner General-Anzeiger ist skeptisch, ob die Neuregelung tatsächlich dazu führen wird, mehr Organspender in Deutschland zu bekommen. „Theoretisch spricht bei diesem sensiblen Thema sehr vieles für die beschlossene Variante, denn schließlich geht es um die Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Doch ob sie auch die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllt, die Zahl der Organspenden deutlich zu erhöhen, bleibt abzuwarten“, schreibt Daniela Greulich. Zum Artikel

Im Westfalen-Blatt (Bielefeld) wird die Debatte positiver bewertet: Alleine die Tatsache, dass das Thema groß diskutiert wurde, sei schon ein Fortschritt, schreibt Volker Resing. „Diese Debatte war dringend nötig, sie hat ein gewisses politisches Phlegma in der Frage beendet." Ob dies allerdings dazu führen werde, dass es in Zukunft mehr Spender geben wird, bliebe noch abzuwarten. Zum Artikel

Dass die Reform vom Bundestag abgelehnt wurde, findet Bernhard Walker von der Badischen Zeitung (Freiburg im Breisgau) richtig. „Spahns Vorschlag hätte das Problem bei der Organspende nicht gelöst", schreibt er. Zum Artikel

Auch Michael Ascherl von Onetz.de (der Onlinepräsenz von Der neue Tag aus Weiden begrüßt das Scheitern des Vorstoßes. Organspende müsse freiwillig bleiben. Menschen per Beschluss zum Spenden zu zwingen, sei nicht der richtige Weg. Vielmehr müssten seiner Meinung nach neue Anreize geschaffen werden, Menschen zum Spenden zu bewegen. Zum Artikel

In einem Pro und Kontra gibt der Münchner Merkur die gegensätzlichen Meinungen zweier Autoren über die Entscheidung des Bundestages wieder. Ulrike Schmidt meint, es sei gut, dass jeder Bürger für sich über seinen Körper entscheide, und nicht der Staat. Sie begrüßt den Ausgang der Bundestagsdebatte. Ihr Kollege Klaus Rimpel sieht das anders: „Das Argument, Jens Spahns Widerspruchslösung greife zu stark in die Freiheit jedes Einzelnen ein, kann ich nicht nachvollziehen: Jeder hätte dabei doch die Freiheit gehabt, Nein zum Spenden zu sagen!" Einzig zur Auseinandersetzug mit dem Tod hätte diese Regelung seiner Meinung nach gezwungen. Zum Artikel

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