In eigener Sache

Wir trauern um Paul-Josef Raue

von drehscheibe-Redaktion

Paul-Josef Raue
Paul-Josef Raue (1950-2019)

Am Samstag erreichte uns die traurige Nachricht, dass Paul-Josef Raue im Alter von 68 Jahren gestorben ist.

Raue (geboren am 13. Juni 1950 in Castrop-Rauxel) war eine außergewöhnliche Persönlichkeit des deutschen Journalismus. 35 Jahre lang war er bei verschiedenen Zeitungen Chefredakteur – in Erfurt, Braunschweig, Frankfurt am Main, Marburg, Eisenach. Er war Autor zahlreicher Bücher, darunter das Standardwerk „Das neue Handbuch des Journalismus“ (zusammen mit Wolf Schneider). Als steter Erneuerer des Lokaljournalismus erfand er unter anderem das Konzept Bürgerzeitung. Für ihn standen die Leserinnen und Leser immer im Mittelpunkt. Für die drehscheibe war er vor allem ein Mentor, Ansprechpartner und Freund. Wir werden in sehr vermissen.

 

Stationen als Chefredakteur

  • Oberhessische Presse (Marburg)
  • Eisenacher Presse (Gründer), 1990
  • Frankfurter Neue Presse, 1996 bis 1997
  • Volksstimme (Magdeburg), 1999 bis 2001
  • Braunschweiger Zeitung, 2001 bis 2009
  • Thüringer Allgemeine (Erfurt), 2009 bis 2015

 

Paul-Josef Raue und die drehscheibe

Raue war immer wieder in der drehscheibe vertreten. Wir führten Interviews mit ihm oder stellten gelungene Serien, Umsetzungen etc. aus seinen Redaktionen vor. Eine kleine Auswahl.

Hier sprachen wir mit ihm über sein Buch „Die unvollendete Revolution“, in dem er sich mit den Folgen der Wiedervereinigung auseinandersetzte. Zum Interview

In einem anderen Gespräch ging es um Einsparungen und Qualität im Journalismus. „Im Lokalen muss die Qualität zuhause sein“, so lautete sein Credo. Zum Interview

Hier sprachen wir mit ihm über das „Handbuch des Journalismus“. Zum Interview

Für eine Serie über das Wirken der Treuhand nach der Wende erhielt die Thüringer Allgemeine den Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, Jahrgang 2012. In der drehscheibe erläuterte Raue das Konzept. Artikel als PDF

Über den Journalismus in Wendezeiten berichteten Raue und andere Chefredakteure in der Ausgabe 3/2015. Zum Artikel

Zum Jubiläum des Mauerfalls im Jahr 2014 hatten sich die Thüringer Allgemeine aus Erfurt und das Hamburger Abendblatt etwas Besonderes einfallen lassen. Die beiden Zeitungen luden gemeinsam Leserinnen und Leser zu einem „Parlament der Einheit“ auf die Wartburg bei Eisenach. Zum Artikel

Für eine Aktion, in derem Rahmen Redakteure und Leser der Thüringer Allgemeinen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze entlangwanderten, erhielt die Thüringer Allgemeine den Deutschen Lokaljournalistenpreis Jahrgang 2011, Kategorie Zeitgeschichte. Artikel als PDF

Veröffentlicht am

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Lothar G. Kopp |

Ja, Raue war ein Anwalt der Leser, ein Menschen- ebenso wie ein Naturfreund. Und er war mein Freund.

Mit seinem Wissen und seiner toleranten Einstellung war er stets ein Gewinn. Die Gespräche mit ihm werde ich nie vergessen. Paul-Josef Raue war ein Multiplikator im besten Wortsinn und verstand politische Bildung immer als Plattform für Kritik-Diskurse über kontroverse Themen, welche die Gesellschaft bewegen, im Lokalen wie im Überregionalen. Als Referent im Medienbereich und später im Veranstaltungssegment der BpB erlebte ich den großen Journalisten immer als politischen Bildner. Er legte oft den Finger in die Wunde, manchmal unbequem, aber immer fundiert, nie absichtlich verletzend.

Paul war ein Mensch, der andere Menschen und die Natur liebte. In den letzten Jahren wanderten wir gemeinsam einige Male durch den Harz, den er sehr mochte, bis hinauf zum Brocken, wo wir in ein Gasthaus einkehrten. Er sagte, in der Natur lerne man philosophieren und man käme sich trotz unterschiedlicher politischer Ansichten menschlich näher. Seine Bewertungen änderten sich bisweilen, seine Werte nie. Diese Wanderungen genoss er, ob entlang der früheren innerdeutschen Grenze oder in den Wäldern deutscher Mittelgebirge. Sie seien Erholung, Entschleunigung, Zeit zum Denken und für ihn persönlich „wie ein Gebet in einer Kirche.“

Ich bin traurig, dass er nun mit nur 68 Jahren gestorben ist.

Lothar G. Kopp
Referent/Bundeszentrale für politische Bildung
Z.Z. in der Freistellungsphase der Altersteilzeit

Kommentieren

Bei den mit Sternchen (*) markierten Feldern handelt es sich um Pflichtfelder.