Projekt U-18-Wahlen

Unter 18? Trotzdem wählen!

von Robert Domes

Am 13. September können auch Kinder und Jugendliche ihre Stimme abgeben. U18 heißt das Projekt, bei dem bundesweit rund 800 Wahllokale für junge Menschen geöffnet werden. Ein interessantes Projekt auch für Lokaljournalisten. Thorsten Merkle von der Jugendinitiative „Jule“ der Deutschen Zeitungsverleger sieht darin eine gute Chance, „sich als Medium für junge Leser zu profilieren“.

Das Logo von U18
Mit einem Klick aufs Bild geht's zum U18-Projekt.

Die U18-Wahl wird von einem Netzwerk aus öffentlichen und freien Trägern abgehalten, darunter das Deutsche Kinderhilfswerk und der Bundesjugendring. Die Bildungsinitiative will jungen Menschen helfen, Politik zu verstehen, Unterschiede in den Wahlprogrammen zu erkennen und politische Versprechen zu hinterfragen. Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, lobt die Initiative als wichtiges Instrument der politischen Bildung: „Bei dem Kinder- und Jugendwahlprojekt U18 können sich Kinder und Jugendliche an Politik herantasten und auf spielerische Weise demokratische Prozesse kennen lernen. Politik und Mitbestimmung werden so erlebbar gemacht.“

Vor zwei Jahren griff „Jule“, die Initiative junge Leser von Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, das Projekt U18 auf. Thorsten Merkle von „Jule“ ist überzeugt, dass die Kooperation für Journalisten fruchtbar ist: „Die U18-Wahl ist eine gute Chance für die Verlage, Kinder und Jugendliche als Leser zu gewinnen.“ Deshalb wirbt „Jule“ intensiv mit Tipps und Infos bei den Mitgliedsverlagen für diese Idee.

Engagement der Mittelbayerischen Zeitung

Die Mittelbayerische Zeitung hat den Anstoß aufgenommen hat. Dort wurde eine Projektgruppe aus Mitgliedern der Redaktion und des Anzeigen-Marketings eingerichtet. Kathrin Wieland ist eine der zwei Redakteurinnen, die für die Inhalte zuständig sind. Schon beim ersten ersten Brainstorming im Frühjahr entstand eine lange Liste: „Speed-Dating“ zwischen Schülern und Politikern, Erklärstücke über Parteiprogramme in einfacher Sprache, Geschichten über die schönsten Wahlurnen und mehr. Das alles so multimedial wie möglich, im eigenen Blog und auf Facebook dokumentiert.

Allerdings habe sich gezeigt, dass eine Reihe von Ideen nicht umsetzbar ist, räumt Wieland ein. Vor allem, weil die bayerischen Schulferien bis Mitte September dauern. Geplante Veranstaltungen in und mit Schulklassen konnten deshalb nicht umgesetzt werden.

So trommelte das Medienhaus selbst, mit Anzeigen und Berichten in Print und Online. Bisher sind 18 Wahllokale im Verbreitungsgebiet angemeldet, darunter auch die Geschäftsstellen der Lokalredaktionen. Tobias Mooshammer vertritt in der Projektgruppe das Anzeigen-Marketing und unterstützt das Projekt zusammen mit Melanie Emmerl und Sebastian Schmid unter anderem mit Plakaten und einer Anzeigenkampagne. Die Teilnahme an der Aktion selbst ist kostenlos, es fallen nur die Druck- und Personalkosten im Haus an. Das Projekt sponsern zu lassen „hätte dem Thema den falschen Charakter gegeben“, sagt Mooshammer.

Mooshammer und Wieland sind sicher, dass sich der Aufwand lohnt. Es sei für die Redaktion gut, zu überlegen, wie die Berichterstattung aussehen muss, damit sie Jugendliche erreicht.

Für die Berichterstattung hat die Redaktion zusätzlich einen Jugendreporter engagiert. Es ist ein Schüler, der Interviews mit Politikern führt, der Videos und Geschichten macht. Davon gibt es Fassungen für die gedruckte Zeitung und für die U18-Rubrik auf dem Online-Auftritt der Mittelbayerischen Zeitung.

Online-Kalender und Landkarte

Gerade für Regionalzeitungen sei das Projekt interessant, weil es guten Stoff für jugendnahe Berichterstattung bietet, meint Milena Feingold von der U18-Bundeskoordinierungsstelle. Die Redaktionen könnten häufig ihre Projekte auf ohnehin geplanten Veranstaltungen aufbauen und aktive Jugendgruppen vor Ort ansprechen, die bereits vor Ort aktiv sind. Ein Online-Kalender und eine Landkarte mit allen Wahllokalen auf u18.org bieten hierzu eine Übersicht. Redaktionen können sich auch direkt Rat einholen, sagt Feingold: „Wir haben für Journalisten ein Portfolio von Aktionen und Ideen, die gut funktioniert haben.“ Für jedes Bundesland gibt es Ansprechpartner. Das ist auch für Kollegen nützlich, die nicht mit großen Aktionen einsteigen wollen, sondern nur eine schnelle lokale Geschichte für den Wahlkampf suchen.

Die Kollegen der Mittelbayerischen Zeitung, die die Aktion zum ersten Mal machen, haben die heiße Phase noch vor sich. Doch schon jetzt kann Wieland zwei Dinge sagen. Zum einen habe die Redaktion schnell gelernt, dass sie sich nicht überschätzen darf. Zum anderen sorge das Projekt  dafür, „dass unsere Zeitung ein gutes Image bei jungen Leuten bekommt.“

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