Vom Mauerblümchen zum Retter der Zeitungsbranche

von Anke Vehmeier

Anke Vehmeier spricht über die Zukunft des Lokaljournalismus.
Anke Vehmeier spricht über die Zukunft des Lokaljournalismus.

Der Lokaljournalismus hat in den vergangenen 40 Jahren eine steile Karriere erlebt. War er zunächst wenig anerkannt und sogar belächelt als Sprachrohr der Kaninchenzüchter und Vereinsmeier, rückte er zunehmend in den Fokus. Die Leserforschung leistete dabei eine wichtige Unterstützung. Denn bereits Mitte bis Ende der 1990-er Jahre stellte sich bei verschiedenen Befragungen heraus, dass die Leser den Lokalteil als beliebteste Rubrik innerhalb der Tageszeitung bezeichneten.

Leseverhalten analysieren

Mit der Reader-Scan-Methode des Schweizer Medienberaters Carlo Imboden Anfang der 2000-er Jahre werden zum ersten Mal Lesequoten ermittelt (vgl. Brügger 2007, Wirner 2012, Simon 2007). Das gab es bis dahin nur im Fernsehen. Das Ergebnis hat einige Ressorts unvermittelt getroffen. Stellte sich doch heraus, dass der Sportteil, besonders der Lokalsport, kaum gelesen wird – ebenso wie das Feuilleton. Und das Lokale bekam nur auf der ersten Seite gute Quoten. Es waren aber die Schlussfolgerungen des Schweizer Medienforschers, die dem Lokalen Auftrieb durch mehr Aufmerksamkeit der Redaktionen verschafften: „Letztlich bedeutet der Einsatz der Quote auch eine Rückbesinnung auf den Kern einer Zeitung: Sie können eine Zeitung nicht auf Dauer dadurch im Markt halten, dass sie den Lesern Kaffeemaschinen schenken, sondern nur dadurch, dass ihre Inhalte – heute spricht man von Content – den Leserbedürfnissen entsprechen. Das Geld muss zurück ins Produkt“. (Niggemeier 2006)

Das Boom-Jahr für den Journalismus

Das Jahr 2000 war dann auch das Boom-Jahr für den Journalismus in Deutschland. Redakteure wurden vermehrt eingestellt – besonders im Lokalen. 15.300 Redakteure waren 2000 fest angestellt – das ist Höchststand. Doch dieser Umstand währte nur kurz, die massiven Anzeigeneinbrüche lösten immer wieder Entlassungswellen im ganzen Land aus. Immer mehr Stellen wurden abgebaut. 2013 waren noch knapp 13.000 Redakteure fest angestellt. Die meisten Stellen fielen in den Lokalredaktionen weg.

Invest in die Zukunft

Unternehmensberater sind in dieser Zeit die Schreckgespenster in den Redaktionen. Kommen sie ins Haus, rollen die Köpfe. Für mich persönlich ist das ein Irrweg und viel zu kurz gesprungen. Qualifiziertes Personal ist ein Invest in die Zukunft.

Innovative und kreative Lokaljournalisten beschäftigen sich aber bereits mit der Suche nach Erfolgsrezepten, nach Konzepten und Strategien. Die Titel der Foren Lokaljournalismus der Bundeszentrale für politische Bildung – der größten und renommiertesten Konferenz ihrer Art für Chefredakteure/- innen  und leitende Redakteure/- innen an lokalen und regionalen Tageszeitungen sprechen in den Jahren für sich. Sie lauten: „Schlechte Zeiten, gute Zeiten – Konzepte für Redaktionen in der Krise“ oder „Qualität ist das beste Rezept. Die stille Revolution oder Konzepte, Strategien und Best-Practice-Beispiele für erfolgreiche Medienmacher“. Sie sind abrufbar auf der Website des bpb Journalistenprogramms und auf www.drehscheibe.org.1

Zeitungen experimentieren

In der späteren Hälfte des ersten Jahrzehnts werden crossmediale Strategien in den Redaktionen entwickelt, es geht um Online und es geht um Qualitätskriterien. Die Diskussionen sind oft sehr techniklastig und in einigen Verlagen wird viel ausprobiert, die Vorreiter in Sachen Multimedialität kristallisieren sich heraus. Die Rhein-Zeitung in Koblenz und die Hessische/Niedersächsische Allgemeine in Kassel experimentieren mit der Verbindung von Print und Online. Ein neuer Beruf wird geschaffen, der MoJo, der mobile Journalist.

Konkurrenz durch Blogger

Die lokalen Tageszeitungen bekommen in dieser Zeit zunehmend Konkurrenz: Lokale Blogger und Websites erscheinen auf der Bildfläche. Lokales findet nicht mehr nur in der Tageszeitung statt. Allerdings entbrennt die Diskussion, ob es sich um private Äußerungen oder um Journalismus handelt. Medienprofessor Neuberger stellt fest: „Blogger sind auch in ihrer Gesamtheit kaum in der Lage, kontinuierlich, thematisch universell und aktuell zu berichten und vor allem zu recherchieren. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass zumindest ein Teil der Weblogs Formen des professionell-redaktionellen Journalismus annehmen kann. Eine Unvereinbarkeit von Profession und Partizipation besteht nicht.“ (Neuberger et al. 2007, 110)

Die auf dieser Tagung vertretenen Online-Medien zeigen, dass die Möglichkeit längst in Wirklichkeit verwandelt wurde.

Der Umgang mit Sozialen Medien, die Beschäftigung mit dem eigenen Berufsbild und dem Selbstverständnis bestimmen die Diskussionen im Lokaljournalismus. Überall entstehen Newsrooms und Newsdesks.

Wert des Lokaljournalismus

Mit den 2010-er Jahren beginnt ein Umdenken und forciert sich bis heute: Es geht um Inhalte, es geht um Qualität, es geht um Relevanz und es geht um den Wert des Lokaljournalismus in der demokratischen Gesellschaft.

Die Redaktionen suchen nach Lösungen aus der Krise, wollen sich neu aufstellen für die Zukunft, setzen stärker auf Vernetzung. Neue Kanäle und Techniken werden erobert – mobile Journalism, Datajournalism sind die Zauberwörter.

Neue Geschäftsfelder sollen erschlossen werden, das nimmt mit dem E-Commerce bisweilen bizarre Formen an: So wird aus dem Burda Verlag auch ein Tierfutter-Versandhandel, Reiseportal- und Singlebörsen-Betreiber. Aus dem Medienhaus wird ein Gemischtwarenladen. Doch Burda ist überzeugt: „Allein mit Qualitätsjournalismus kann heute niemand mehr überleben.“ (Lang 2014, Busch 2012)

Wie viel Kommerz verträgt die Marke?

Nun ja, E-Commerce hin oder her, die Frage lautet nur: Wie viel Kommerz verträgt die Marke?

Aber es muss Geld verdient werden. Die Anzeigen brechen weiter dramatisch ein. Nie musste mit dem journalistischen Inhalt mehr Geld verdient werden als heute. Die Paywall wird heiß diskutiert. Denn die Realität hat die Tageszeitungen längst eingeholt, die Kardinalfehler wurden mit dem zögerlichen Engagement im Online in den 90-er Jahren begangen:

  1. dem Wegbrechen des Anzeigenmarktes wurde nicht vehement begegnet,
  2. vielerorts wurden die Printinhalte 1:1 auf die Website gestellt – wenige Redaktionen haben sich mit dem Nutzungsverhalten der User beschäftigt und versäumen es jetzt teilweise wieder mit den Apps – wobei es da auch Leuchttürme gibt,
  3. die Inhalte können kostenlos abgerufen werden.

Hier ein Umdenken bei den Usern zu bewegen, wird Jahre dauern.

Lokales wird zum Hype

Der Lokaljournalismus wird nun gehypt, der Spiegel widmet ihm eine Titelgeschichte. Der Lokaljournalismus soll die gesamte gebeutelte Branche retten – nicht zuletzt die Zeit hat  begonnen, auf Lokaljournalismus zu setzen und selbst einen Lokalteil zu produzieren. Plötzlich wird der Lokaljournalismus wie eine seltsame Spezies unter dem Mikroskop studiert. Kommunalpolitik, Medienpolitik, die Kommunikationswissenschaft und die Medienunternehmen selbst, die das Lokalressort im Gegensatz zu seiner Bedeutung für Gesellschaft und Demokratie geradezu missachtet haben, sind ganz aufgeregt.

In den Redaktionen herrscht Aufbruchstimmung nach den vielen Jammer-Jahren. Die Titel der jüngsten Foren Lokaljournalismus der Bundeszentrale für politische Bildung zeugen vom Wandel: „Kommunikation der Zukunft: Die neue Architektur des Lokaljournalismus“, „Faszination Lokaljournalismus – Demokratie braucht Leitmedien“, „Zwischen Qualität und Rendite: Vom Wert des Journalismus“ bis zu „Götterdämmerung: Der Lokaljournalismus erfindet sich neu“. Der Titel ist dem Austragungsort 2014 in Bayreuth gewidmet und der dortigen innovativen Lokalzeitung mit dem damaligen Chefredakteur Joachim Braun.

Neue Berufe entstanden

Der Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass wir es mit einer Branche zu tun haben, die sich in dieser Zeit komplett gewandelt hat. Auf dem Weg sind ganze Berufe verschwunden, wer kennt heute noch den Metteur, den Umbruchgestalter? Diese Arbeit machen längst Journalisten. Aber dafür sind auch neue Berufe entstanden, wie der Deskmanager, Social-Media-Redakteure und Datenjournalisten.

Es gibt inzwischen eine Innovationskultur in den deutschen Redaktionen, auch teilweise angeregt durch die digitale Konkurrenz. Und es geht darum, den Wert des Lokalteils zu steigern, durch neue Darstellungsformen, Storytelling, Visualisierung, Crossmedialität, ScribbleLive, Serien, Datenjournalismus und investigative Recherche. Da bieten sich neue, unglaubliche Möglichkeiten.

Vereinsberichterstattung raus?

Alte Zöpfe werden abgeschnitten, wie die aktuelle Debatte um die Vereinsberichterstattung zeigt, also die Frage, ob Vereinsberichte im Blatt bleiben oder in eine Extra-Beilage auslagert werden sollen und können.2

Der Lokaljournalismus ist experimentierfreudig geworden: Neue Workflows, Strukturen und Arbeitsmittel werden entwickelt und verbessert. Der Redaktionsschluss ist fast aufgehoben, die klassische Ressortaufteilung durchbrochen. Das Lokale wird forciert und optimiert. Es wird mit neuen, alten Zielgruppen experimentiert: Kinder, Senioren, Migranten. Beispiel Kölner Stadt-Anzeiger: Dort wurde eine deutsch-türkische Ausgabe zum Kunst- und Kulturfest zehn Jahre nach dem NSU-Anschlag in der Keupstraße publiziert.

Zeitungen auf Kurswechsel

Einen strikten Kurswechsel nimmt derzeit die Heilbronner Stimme vor. Chefredakteur Uwe Ralf Heer schafft die Infrastruktur für eine klare Strategie der zwei Geschwindigkeiten: einerseits die schnelle aktuelle Berichterstattung auf allen digitalen Plattformen des Medienhauses, sieben Tage die Woche, fast rund um die Uhr. Und daneben wird die entschleunigte, magazinig-hintergründige Tageszeitung produziert.

Doch auch die Kehrseite der Medaille ist nach wie vor präsent: Spardiktat, Personalkürzungen und Redaktionsschließungen. Die Konzentration bei den Tageszeitungen erreicht ihren historischen Höchststand, berichtete Zeitungsforscher Horst Röper vom Dortmunder FORMATT-Institut erst in der vergangenen Woche (vgl. Röper 2014): Bundesweit stieg der Marktanteil der zehn führenden Verlagsgruppen an der verkauften Tageszeitungsauflage 2014 um 0,2 Prozentpunkte auf 59,3 Prozent. Allein die Top 5 verkaufen 42,9 Prozent aller Zeitungen in Deutschland. Auflagen und Werbe-Erlöse sind weiter deutlich rückläufig. Die Gesamtauflage ist im freien Fall: 2004: 26,2 Millionen, 2012: 21,3 Millionen Exemplare, aktuell sind noch 19,9 Millionen. Der bittere Befund: Die Zeitungsbranche hat in den vergangenen zehn Jahren knapp ein Viertel ihrer Auflage verloren. Aber dafür steigt die Reichweite – nie zuvor haben die lokalen und regionalen Medienhäuser mehr Menschen erreicht.

Kooperationen mit anderen Häusern

Das beherrschende Thema in diesem Jahr sind die Kooperationen. Immer mehr Titel legen die Mantelproduktion zusammen. Einstige Konkurrenten, wie die Rheinische Post und die Funke-Gruppe, tauschen lokale Geschichten aus. Lokale Informationen sind Grundvoraussetzung für die soziale und politische Partizipation der Bürger. Die Einschränkung des publizistischen Angebots ist somit für die Demokratie wie auch für die individuelle Perspektive bedenklich.

Wie stark sich die Pressekonzentration auf die Qualität lokaler Berichterstattung auswirkt, wurde wissenschaftlich noch nicht eindeutig beantwortet. Klar ist aber, dass Medienvielfalt ein Qualitätsmerkmal der Demokratie ist. Sie zu bewahren hat der Landtag in Nordrhein-Westfalen ein neues, nicht unumstrittenes, Mediengesetz verabschiedet, das den Weg frei macht für eine Stiftung zur Förderung des Lokaljournalismus in Nordrhein-Westfalen.

Für den Lokaljournalismus gibt es derzeit weitere Herausforderungen, aber auch neue Risiken, wie sie zum Beispiel durch den Roboterjournalismus drohen. Wenn Journalismus erst von der Maschine gestaltet wird, rollt die nächste Entlassungswelle. (vgl. drehscheibe 2014)3

Lokales boomt online

Dennoch: Das Lokale boomt auf allen Kanälen – Print, Online, TV und Radio. Lokaljournalismus findet in vielfältiger Form statt. Zu Recht, wie Medienforscher Carlo Imboden untermauert: „Die Zahl der Internetnutzer hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das gleiche gelte für den Lokalteil der Zeitung. Vor zehn Jahren seien nur 6,1 Prozent der lokalen Texte gelesen worden. Inzwischen seien es knapp 30 Prozent.“ (Imboden 2014)

Der Lokalteil erzielt die höchsten Lesequoten im Blatt. „Die Leute klicken Weltnachrichten und lesen den Lokalteil“, so Imboden (2014). Das ist womöglich eine Gegenbewegung zur Globalisierung: Je unübersichtlicher die Welt wird, desto mehr besinnen sich die Menschen auf ihre Region, ihren Ort, ihr Viertel.

Dabei ist der Lokaljournalismus wichtiger Partner: Er leistet einerseits einen Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung in der Gesellschaft, andererseits bietet er Menschen Orientierung in einem immer unüberschaubareren Lebensraum – wenn er denn gut gemacht ist.

Diese Erkenntnis öffnet die Türen für Lokaljournalismus und lokale Inhalte in der Tageszeitung, aber auch im Netz. Immer mehr hyperlokale Plattformen entstehen. Kultur- und Naturmagazine, sublokale Blogs und Special Interest-Produkte bedienen unterschiedliche Zielgruppen. Die bei dieser Tagung vertretenen Angebote zeigen, wie unterschiedlich Lokaljournalismus interpretiert werden kann.

Wo der Schuh drückt

Die Chancen liegen also definitiv im Lokalen. Die Angebote müssen aber am Leser orientiert sein. Egal ob Print oder online. Noch einmal Carlo Imboden (2014). Er sagt, die Leser und User wollen, dass ihre Ängste, Freuden und Befindlichkeiten aufgegriffen werden. (Imboden 2014) Dazu müssen lokale Medienmacher wissen, wo ihrem Klientel der Schuh drückt. Dann können sie Geschichten schreiben, die ein breites Publikum finden.

Welche Themen sind massentauglich? Verkehr, Energie, Gesundheit, Wohnen, Einkaufen, TV, Sicherheit, Geld, natürlich das Wetter und ganz getreu dem alten Leitspruch der Lokalredakteure: Kinder und Tiere gehen immer.

Lokales für junge Menschen

Und auch für junge Menschen hat der Lokaljournalismus seinen Reiz, wie das Beispiel Jessica Schober zeigt, die Journalistin, die sich in Kürze auf die Walz begibt. Sie will von Redaktion zu Redaktion ziehen und ihre Dienste anbieten. Sie sagte im Interview mit der drehscheibe: „Meine Zukunft liegt im Lokalen. Der Bedarf an Analyse und Reportage im Lokalen wird noch gar nicht richtig bedient. Das Lokale bietet doch – fernab von der Chronistenpflicht – jede Menge Möglichkeiten, schöne Ideen umzusetzen und Geschichten zu erzählen.“ (Wirner 2014)

Lokaljournalismus ist im besten Sinne Heimatjournalismus. Das erkannte in meiner Wahl-Heimat Bonn der Verleger Johannes Düppen aus Oberkassel, einem Dorf bei Bonn, schon 1921, als er seinen Lesern sein Konzept, heute würde man sagen, sein Geschäftsmodell, erklärte: „Eine Heimatzeitung soll eine Lokalzeitung sein.“ (Kötting 2012) Auch seine Prognose für die Zukunft ist weitsichtig: „Viele ernste und wichtige Angelegenheiten und Fragen werden auch in Zukunft die engere Heimat beschäftigen. An ihrer Lösung zu unserem Teile mitzuarbeiten mit warmem Herzen soll daher unsere vornehmste Aufgabe sein.“ (ebd.)

Pionier in der Bewegung des „Herunterbrechens“

Er ist damit quasi ein Pionier in der Bewegung des „Herunterbrechens“ von bundes- europa- und weltpolitischen Nachrichten auf den Lebensbereich der Leser und User vor Ort.

Die Gesellschaft erlebt derzeit eine Renaissance der „Heimat“. Die Menschen identifizieren sich stärker mit dem Ort, an dem sie leben und wollen ihr Lebensumfeld aktiv mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Dafür ist der Lokaljournalismus unentbehrlich. Denn die Bürgerinnen und Bürger wollen wissen, was für sie wirklich wichtig ist, und sie erwarten viel von der lokalen Berichterstattung: kritische Analyse, Zusammenhänge erklären, Orientierung bieten, Verbindungen zwischen Medien und Bürgern herstellen, ganzheitliches Denken.

Auf den ersten Blick überrascht es schon, dass auch das Internet als globales Medium gerade für die Orientierung im Regionalen und lokalen Raum einen wichtigen und offenbar wachsenden Stellenwert einnimmt. Doch der Erfolg und die Vielfalt der Angebote im Netz, wie wir sie auf dieser Tagung erleben, untermauert diese Tatsache jedoch eindrücklich.

Doch digitaler Journalismus verlangt enorme Kompetenz in Kommunikation und Technik. In einer Studie der Landesanstalt für Medien NRW „Journalismus unter digitalen Vorzeichen“ (Lilienthal 2014) wurde festgehalten, was digitaler Lokal-Journalismus leisten muss:

  • mehr Teilhabe für das Publikum schaffen
  • bessere Vernetzung der User ermöglichen
  • mehr Dialog mit dem Publikum
  • aktuelle und verstärkte Aus- und Weiterbildung

Fazit

Wir erleben gerade die spannendste Zeit, die es je in der Medienlandschaft gab. Weil so vieles im Wechsel und Umbruch ist, wo man auch Neues wagen und ausprobieren kann. Es ist die Stunde der innovativen Köpfe – zwei herausragende Vertreter der lokalen Tageszeitung werden Sie morgen erleben können, Paul-Josef Raue, seit Jahrzehnten einer der klügsten Köpfe und stärksten Konzeptionisten im Lokaljournalismus und Joachim Braun aus der Garde der jungen Chefredakteure, der unerschrocken und mutig den Mächtigen auf die Finger schaut und gleichzeitig offen ist für neue Trends und Entwicklungen. Und die Vertreter der lokalen Online-Angebote hier auf den Podien schicken sich vielleicht schon bald an, ebenfalls Geschichte zu schreiben.

Die Perspektiven des Lokaljournalismus liegen in einer Start-up-Mentalität. Darin, alle Türen weit aufzureißen, aufgeschlossen für Neues zu sein, auszuprobieren, zu experimentieren. Lokaljournalismus muss mutig sein und recherchestark. An die Einzigartigkeit der eigenen Marke glauben, sie leidenschaftlich und hartnäckig vorantreiben.

Es braucht aber auch Leichtigkeit und Spaß – wir müssen so bei der Sache sein, dass unser Job auch unser Hobby sein könnte.

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Literaturverzeichnis

Brügger, Helen 2007. Die fetten Jahre sind vorbei. In: Klartext. Das Schweizer Medien-Magazin. Ausgabe 4, 2006. http://www.klartext.ch/?p=7073 (Stand: 15.05.2015)

Busch, Uli 2012. Burda-Bilanz: Trockenfutter und Katzenklappen bringen mehr Umsatz als die Druckereien. http://www.wuv.de/medien/burda_[…]druckereien (Stand: 15.05.2015)

drehscheibe 2014. Die DNA des Lokaljournalismus. Ausgabe 06/2014

Imboden, Carlo 2014. Gespräch beim Modellseminar „Die neue DNA des Lokaljournalismus – Rezepte für die erfolgreiche Zukunft“ der Bundeszentrale für politische Bildung vom 19. bis 23. Mai 2014 in Irrsee

Kötting, Helmut 2012. Euer Hannes vom Rhein. Johannes Düppen und seine Oberkasseler Zeitung 1918 – 1933, Nummer 21 der Schriftenreihe des Heimatvereins Bonn-Oberkassel

Lang, Katrin 2014. Hubert Burda: „Allein mit Qualitätsjournalismus kann heute niemand mehr überleben“. http://www.horizont.net/[…]mehr-ueberleben-118731 (Stand: 15.05.2015)

Lilienthal, Volker/ Weichert, Stephan/ Reineck, Dennis/ Sehl, Annika/ Worm, Silvia 2014. Digitaler Journalismus. Dynamik - Teilhabe - Technik. Leipzig (Vistas). Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Band 74

Neuberger, Christoph/ Nuernbergk, Christian/ Rischke, Melanie 2007. Weblogs und Journalismus: Konkurrenz, Ergänzung oder Integration? Eine Forschungssynopse zum Wandel der Öffentlichkeit im Internet. In: Media Perspektiven. Heft 2/2007

Niggemeier, Stefan 2006. Was wollen Sie von uns? Zeitungen erforschen ihre Leser und erfahren, dass sie sich ändern müssen. http://www.spiegel.de/kultur/[…]aendern-muessen-a-409349.html (Stand: 17.05.2015)

Röper, Horst. Zeitungsmarkt 2014. Erneut Höchstwert bei Pressekonzentration. In: Media Perspektiven 5/2014. (Stand: 15.05.2015)

Simon, Ulrike 2007. Überfliegen Sie nur - oder lesen Sie schon? In: Welt am Sonntag, Ausgabe 17.06.2007 http://www.welt.de/[…]oder-lesen-Sie-schon.html (Stand: 15.07.2015)

Wirner, Stefan 2012. Griff zum lokalen Buch: Neues aus der Readerscan-Forschung. Interview mit Carlo Imboden. In: Drehscheibe, Ausgabe 04/2012. Datenjagd – Was geschieht mit unseren Spuren? http://www.drehscheibe.org/interview-mit-carlo-imboden.html (Stand: 15.05.2015)

Wirner, Stefan 2014. Eine Journalistin auf der Walz. Interview mit Jessica Schober http://www.drehscheibe.org/eine-journalistin-auf-der-walz.html (Stand: 17.05.2015)

Fußnoten

1 Unter www.bpb.de/lokaljournalistenprogramm gibt es zudem das Dossier „Lokaljournalismus“. Es widmet sich grundlegenden Fragen lokaler Information: Welche Rolle spielt Lokaljournalismus in einer Gesellschaft? Was sind seine Themen? Vor welchen Aufgaben stehen die erfolgreichen Lokalzeitungen von einst?
Das Dossier nimmt auch Beiträge auf, die im Rahmen des Lokaljournalistenprogramms der Bundeszentrale für politische Bildung, das vor knapp 40 Jahren gegründet wurde, entstanden sind. Zusammen mit dem Projektteam Lokaljournalisten veranstaltet es regelmäßig Modellseminare, Konferenzen und veröffentlicht Publikationen für Lokaljournalisten. Seit mehr als 30 Jahren ist das Magazin drehscheibe ein zentrales Element. Das Magazin beobachtet, informiert und analysiert aktuelle Entwicklungen im Lokalen und bietet vor allem eine Plattform für den Ideenaustausch unter Lokaljournalisten. Im Dossier finden sich neben wissenschaftlichen Analysen auch Berichte aus der Praxis. Zudem geben Lokaljournalisten und Experten Einblicke und stellen Meinungen zur Diskussion.

2 Ausführliche Darstellung unter www.drehscheibe.org/wohin-mit-der-vereinsberichterstattung.html

3 In der Ausgabe „Die neue DNA des Lokaljournalismus – Bausteine für die Zukunft des Lokalen“ der drehscheibe geht es darum, wie sich die Verlage auf die kommenden Herausforderungen vorbereiten.

 

Zur Person

Anke Vehmeier ist Freie Journalistin und Dozentin. Sie hat unter anderem das 24. Forum Lokaljournalismus in Nürnberg organisiert.

E-Mail anke.vehmeier@web.de

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Kommentar von Sarah Stelzer |

Ich muss mich selber auch als Blogger outen. Ich habe erst letzte Woche an einem Rhetorik Seminar (https://www.deutsche-rednerschule.de/fuer-texter/) teilgenommen in dem wir auch viele Schreibübungen durchgesprochen haben. Ich lese aber auch gerne die Lokalzeitungsartikel und lasse mich durch Geschehen im Umkreis inspirieren. Deshalb möchte ich diesen teil der Zeitung keinesfalls missen! Ohne Lokalteil wäre Zeitung doch nicht mehr Zeitung!

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