Webinar

Fake News an der Wurzel packen

von Jan-Malte Wortmann

Wahlkämpfe sind Hochphasen für Desinformationen.  (Foto: AdobeStock/ Petr Ciz)
Wahlkämpfe sind Hochphasen für Desinformationen. (Foto: AdobeStock/ Petr Ciz)

Zwei Landtagswahlen fanden 2026 in Deutschland bereits statt, drei weitere folgen noch. Für Journalistinnen und Journalisten bedeutet das: Hochphasen für Falschinformationen, auch im Lokalen. Im Webinar „Falschinformationen im Wahlkampf: Was Lokalredaktionen wissen sollten“ klärten Veronika Völlinger und Stefan Voß deshalb über typische Muster von Wahl-Desinformation und über die Rolle von Social Media und KI auf. Beide arbeiten im Faktencheck-Team der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie gaben den Teilnehmenden konkrete Tipps und Strategien mit, wie sie Falschinformationen erkennen und für ihre Leserinnen und Leser richtig einordnen können. Veranstaltet wurde das Webinar vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) im Rahmen der Kampagne zum Tag des Lokaljournalismus.

„Wahlen sind der wichtigste Moment der Demokratie. Für viele Menschen sind sie der Hauptberührungspunkt mit Politik – für manche sogar der einzige“, erklärte Stefan Voß zunächst zu der Frage, warum gerade in Wahlkampfzeiten vermehrt Desinformationen verbreitet werden. Beginnen würden solche Falschbehauptungen meist in obskuren, anonymen Webforen, um anschließend einen langen Weg durch verschiedene Messengergruppen und soziale Netzwerke hinzulegen, bevor sie bei professionellen Medienschaffenden landen. Zur Sorge, ob Journalistinnen und Journalisten mit der Berichterstattung solche Narrative nicht noch verstärken würden, erklärte Voß deshalb: „Oft sind diese Erzählungen schon riesengroß, bevor wir Medien es überhaupt mitbekommen. Einordnung und Richtigstellung machen die Desinformation eher kleiner.“

Falsche Narrative früh entdecken

Veronika Völlinger zeigte anschließend, wie der Messengerdienst Telegram als ein „Frühwarnsystem“ für Journalistinnen und Journalisten fungieren kann. Viele Desinformationen könnten hier entdeckt werden, wenn sie sich noch am Anfang ihrer Verbreitungskette befinden. Möglich sei das etwa über eine Stichwortsuche mit dem Zusatz „t.me“ (als Teil eines Telegram-Links) auf X oder Google.

Für die Berichterstattung präsentierte Völlinger außerdem eine schmackhaft klingende Methode: das Wahrheits-Sandwich. „Dabei wird die Falschinformation zwischen zwei leckere Brotscheiben aus gesicherten Informationen gepackt“, erklärte sie. Die Fakten werden also möglichst am Anfang und gut verständlich präsentiert, um die Desinformation anschließend einzuordnen.

Falschinformationen folgen Mustern

Im weiteren Verlauf des Webinars zeigten Völlinger und Voß dann eine Reihe konkreter Beispiele für Falschinformationen, die im Umfeld von Wahlen immer wieder auftauchen und dabei gewisse Muster offenbaren. So würde vor allem die Unkenntnis des Publikums ausgenutzt, etwa wenn von angeblichem Wahlbetrug die Rede ist. „Das Wahlrecht, der Wahlablauf oder auch Statistiken und Umfragen sind sehr kompliziert. Die meisten Menschen kennen die Feinheiten nicht – ein idealer Nährboden für Unsicherheit und Falschbehauptungen“, fasste Stefan Voß zusammen.

Zuletzt ging Veronika Völlinger noch einmal genauer auf das Widerlegen von Desinformationen ein. Dabei unterschied sie zwischen „Prebunking“ und „Debunking“: Prebunking bezeichnet das Aufklären der Leserinnen und Leser im Vorhinein als eine Art „Impfung gegen Falschinformationen“. Dazu gehöre etwa, typische Wahl-Desinformationen zu benennen, Manipulationstechniken zu erklären und ausreichend Hintergrundwissen zum Ablauf der Wahlen zu liefern. Debunking wiederum meint nachträgliche Faktenchecks – je schneller, desto besser. Wichtig sei hierbei vor allem, alle Quellen transparent zu machen. Das gebe den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit, den Faktencheck selbst nachvollziehen zu können.

Zum Schluss lautete der Appell: Insbesondere Lokalmedien sollten verstärkt auf Prebunking- und Debunking-Formate setzen, da ihnen nach wie vor ein besonders hohes Vertrauen entgegengebracht wird.

 

Link: Weitere Infos der dpa zu Desinformationen und Wahlen finden Sie hier.

Veröffentlicht am

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Kommentieren

Bei den mit Sternchen (*) markierten Feldern handelt es sich um Pflichtfelder.