Musterkonzept

Gefühlsbetont

von Antonia Eichenauer

Frau wird auf der Straße interviewt
(c) Fotolia - yayoicho

In einigen Wahllokalen findet man sie, die Meinungsforscher der großen Institute. Sie sind auf der Suche nach einer möglichst genauen Prognose des Wahlausgangs. Dabei gibt es in den Wahllokalen viel mehr zu finden, als die Wahlergebnisse selbst. Wie ist die Stimmung im Wahllokal? Wer kommt alles mit zur Wahl? Und was denken die Bürger über diesen Wahlsonntag?

Idee

Die Zeitung macht Meinungsforschung einmal anders. Ohne Fragebögen, ohne Angaben zu Alter, Einkommen oder Religion. Und vor allem: Ohne Angabe zur Wahl. Reporter der Zeitung berichten live via Snapchat von den Wahllokalen. Sie fangen Eindrücke ein, beobachten wie ernst oder fröhlich die Menschen zur Wahl gehen und aus dem Wahllokal wieder herauskommen. Sie fragen die Wähler, warum es ihnen wichtig war zu wählen. Darüber hinaus berichten sie in eigenen kleinen Beiträgen, wie aus ihrer Sicht die Stimmung ist.

Umsetzung

Es braucht ein Smartphone, einen Snapchat-Account und einen guten Datentarif. Damit ausgestattet stellt sich ein Reporter vor ein Wahllokal im Verbreitungsgebiet. Er fängt in den kurzen Clips die Stimmung vor dem Wahllokal ein. Sind die Menschen angespannt? Was erhoffen sie sich von der Wahl? Welche Erwartungen haben sie? Außerdem gibt der Reporter kurze Statements zur Entwicklung der Wahl im gesamten Bundesgebiet ab.

Aus den einzelnen Snaps entsteht eine Story, die den Followern 24 Stunden zur Verfügung steht. Dafür können auch mehrere Reporter vor mehreren Wahllokalen Snaps aufnehmen. Zusätzlich kann ein Reporter die Stimmung im Rest der Stadt einfangen.

Dreh

Der Snapchat-Account der Zeitung wird einer DER Anlaufpunkte für Snapchatter zur Wahl. Aus den Gesprächen mit den Wählern können sich andere Redakteure interessante Geschichten herauspicken, die sie in der nächsten Woche bringen können.

Stolperfallen

  • Der Reporter darf auf keinen Fall Prognosen vor Schließen der Wahllokale abgeben. Durch die Liveberichterstattung könnten schon Wählerbefragungen einer Prognose gleichen. Antworten zur Wahlentscheidung dürfen nicht in die Story gelangen.
  • Der Reporter sollte die Wähler bevor er die Aufnahme startet um Einwilligung bitten und darauf hinweisen, wo und wie die Aufnahme veröffentlicht wird.
  • Wenn die Zeitung keinen Snapchat-Account hat, kann die Idee auch mit Instagram oder Facebook umgesetzt werden. Instagram verfügt über die gleiche Funktion wie Snapchat, so dass auch hier aus einzelnen kurzen Videos eine Story entstehen kann. Bei Facebook können nur einzelne Videos gepostet werden.

Teaserbild (c) Fotolia - Coloures-pic

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Recht und Gesetz

Für die Recherchehilfe sprachen wir mit Karina Hesse, Justiziarin Medienrecht bei Axel Springer, über rechtliche Besonderheiten bei der Wahlberichterstattung. Mit der habe sie nie wirklich Probleme gehabt, sagt sie und plädiert für mehr Mut zum Druck. Nach dem Interview finden Sie noch Link- und Literaturtipps.

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