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Politik und Wahlen für Kinder

von drehscheibe-Redaktion

Süddeutsche Zeitung für Kinder, Wahlen in den USA
Screenshot von Sueddeutsche.de

Viermal im Jahr bringt die Süddeutsche Zeitung für Kinder neben ihrer wöchentlichen Seite in der Zeitung ein Themenheft heraus. Darin wird ein Thema für Leser zwischen 8 und 12 Jahren ausführlich aufbereitet. In den Jahren 2009 und 2013 gab es jeweils ein solches Themenheft anlässlich der Bundestagswahlen. Ob das zu der Bundestagswahl 2017 ebenfalls so sein wird, konnte Georg Cadeggianini, Redakteur der SZ am Wochenende und SZ für Kinder im Herbst 2016 noch nicht genau sagen. Die drehscheibe hat deswegen bei ihm nachgefragt, wie man grundsätzlich komplexe Themen auch für die sehr jungen Leser interessant machen kann.

„Wichtig ist dabei – wie auch beim Journalismus für Erwachsene – der Bezug zum Leben“, sagt Cadeggianini gleich zu Beginn. Die Frage, warum ist das für mich als Kind relevant, stehe stets im Mittelpunkt der Arbeit für die SZ für Kinder. Dafür müssten sich die Redakteure in die Perspektive von Kindern hineindenken und ihren Alltag versuchen zu verstehen. Das funktioniere nur durch stetes Ausprobieren von verschiedenen Formaten.

Anknüpfungspunkte zwischen dem Leben der Kinder und den großen Problemen der Welt zu finden, ist dabei die Hauptaufgabe für Journalisten, die für Kinder schreiben. Obwohl auch das kein Zusammenhang ist, der ausschließlich bei Journalismus für Kindern gilt. „Auch bei mir ist das so“, sagt Cadeggianini. „Ganz ohne Bezug zu meinem Leben ist mir zu weit weg.“

In dem Themenheft „Wahlen in den USA“ anlässlich der Präsidentschaftswahlen sieht das so aus: Es geht unter anderem darum, wo und wann Kinder selbst wählen können. Die historische Perspektive wird betrachtet, indem erklärt wird, wie bei den Indianern Häuptlinge ausgewählt wurden. Darüber hinaus gibt es Witze und ein wehmütiges Stück darüber, dass die USA ihren coolsten Präsidenten verliert. „Wichtig dabei ist auch der Absender“, ergänzt Cadeggianini. „Wir versuchen auch Kinder zu Kindern sprechen zu lassen.“ Das kann in Form eines Gesprächsprotokolls sein oder über Zitate erreicht werden.

Warum macht man nun überhaupt Journalismus für Kinder? Einige Eltern versuchen schließlich verzweifelt ihrem Nachwuchs die Augen zuzuhalten, um ihn noch ein wenig vor dem Schlimmen auf der Welt zu beschützen. Die Kinder bekämen das aber trotzdem mit, erklärt Cadeggianini. „Die Ratlosigkeit und Hilflosigkeit, die das bei ihnen auslösen kann, ist nicht gut. Wir versuchen, sie bei den Themen zu begleiten, die sie eh mitbekommen.“ So werden in dem Heft „Wahlen in den USA“ auch die Waffengesetze der Amerikaner angesprochen.

Wenn sich Journalisten dazu entscheiden, Kinder bei diesen Themen zu begleiten und sie so aus der Ratlosigkeit und Hilflosigkeit zu befreien, sollten sie nicht in eine kindliche Art zu schreiben verfallen. „Klar muss es anders sein“, sagt Cadeggianini. „Klar muss die Sprache anders sein“, sagt Cadeggianini. „Die Herausforderung ist, weniger komplex zu schreiben – und trotzdem komplexe Zusammenhänge zu erklären.“

Georg Cadeggianini

Georg Cadeggianini

Zeitung:
Süddeutsche Zeitung / SZ für Kinder

Mail:
georg.cadeggianini@sueddeutsche.de

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