Musterkonzept

Schatz, was wählst du denn da?

von Antonia Eichenauer

Streitendes Paar
(c) Fotolia - romankosolapov

„Gleich und gleich gesellt sich gern.“ Das ist nicht nur ein Spruch aus dem Volksmund. Statistisch gesehen gilt es für Milieu, Bildungsstand und Alter von Partnern. Doch wie sieht es eigentlich mit der politischen Richtung aus? Laut einer Studie von Parship, einer Online-Partneragentur, sind sich 50 Prozent der Paare in vielen politischen Fragen „im Großen und Ganzen“ einig. Ein Drittel der Befragten wählt dieselbe Partei wie der Partner. Bei nur 11 Prozent der Paare kommt es aufgrund der sehr unterschiedlichen Ansichten zum Streit. Noch geringer ist nur der Prozentsatz derjenigen, die angeben, dass ihr Partner ihre politische Einstellung verändert hat.

Idee

Die Langzeitreportage dreht sich um ein Paar, das sehr verschiedenartige politische Ansichten hat und dementsprechend auch unterschiedlich wählt. Die Geschichte wird umso spannender, je aktiver die beiden Menschen ihre politischen Ansichten vertreten, zum Beispiel durch ehrenamtliche Hilfe beim Wahlkampf oder die Mitgliedschaft in einer Partei.

Wenn es sich anbietet, können mehrere Paare begleitet werden, um nicht nur zwei Parteien abzubilden.

Umsetzung

Die Redaktion sucht dafür ein Paar aus der Region, das in dieses Raster passt. Die beiden Menschen müssen bereit sein, ihr politisches und ihr privates Leben zumindest in Teilen mit der Zeitung und ihren Lesern zu teilen. Die Möglichkeit, die Personen zu anonymisieren, besteht, schränkt aber in der Freiheit der journalistischen Formen ein. Über einen längeren Zeitraum begleitet die Zeitung das Paar. In unregelmäßigen Abständen werden die Serienteile veröffentlicht.

Dreh

Auf zwei Ebenen wird das Paar beobachtet.

Zum einen auf der politischen Ebene: Finden Wahlkampfslogans und Wahlprogramme Einzug in die privaten Haushalten? Wie sehr hängt die Wahlentscheidung von objektiven Argumenten ab? Oder stehen doch ganz private Beweggründe bei der Wahlentscheidung im Vordergrund? Wie sehr beeinflusst das soziale Umfeld bei der Wahlentscheidung?

Zum anderen aber auch auf der privaten Ebene: Wie funktioniert die Beziehung? Wie wird über Nachrichten gesprochen? Welche Zeitung liegt auf dem Tisch? Was ist in der Beziehung das verbindende Element, wenn es nicht die politische Weltsicht ist?

Mögliche Schritte

  1. Redakteure der Zeitung treffen sich mit dem Paar und essen mit ihm zu Abend. Dabei lernt man sich bei leichten Themen kennen.
    • Fürs Blatt und die Webseite werden Steckbriefe der Personen produziert.
  2. Die Redakteure begleiten das Paar an einem ganz normalen Sonntagnachmittag. Ein Gespräch über Politik soll beim Spaziergang oder gemütlichem Picknick entstehen.
    • In der Zeitung wird der Nachmittag als Drehbuch dargestellt.
  3. Die Redakteure treffen sich einzeln mit den Partnern, damit sie unverstellter reden können. Hier geht es in erster Linie um die Beziehung.
    • Im Blatt gibt es eine Gegenüberstellung der beiden Gespräche, sowie einen Kommentar eines Beziehungsexperten.
  4. Zusammen wird eine Wahlkampfveranstaltung von einer der beiden favorisierten Parteien besucht. Wissen die Parteifreunde des einen Partners von den Ansichten des anderen? Wird offensiv um den anderen geworben? Die Redakteure filmen die Stunden mit dem Paar auf der Veranstaltung.
    • Auf Instagram werden Momentaufnahmen geteilt, auf Snapchat entsteht eine Story, die den Abend in rohem Material erzählt. Für den Youtube-Kanal der Zeitung entsteht ein Video, das auch auf der Webseite der Zeitung eingebunden wird. Über die Social Media Kanäle (Facebook, Twitter) und in der Zeitung wird auf das Video aufmerksam gemacht.
  5. In einem Wettbewerb konkurrieren die Partner um die besten Argumente. Die Diskussion folgt dem Vorbild „Jugend debattiert“.
    • Während der Diskussion werden die wichtigsten Argumente getwittert oder über Snapchat Am nächsten Tag erscheinen Thesenpapiere der beiden Positionen im Blatt. In einer Leserabstimmung wird die Überzeugungskraft der Argumente bewertet.
  6. Das Paar schaut gemeinsam mit den Redakteuren die Elefantenrunde im Fernsehen und es wird eifrig auf Twitter
  7. Bei einem Spaziergang durch die Stadt werden Probleme angesprochen und die Lösungsvorschläge der favorisierten Parteien diskutiert. Die Auswirkungen der Bundespolitik auf den Landkreis stehen im Vordergrund.
    • Im Blatt wird das Gesagte mit dem Parteiprogramm verglichen.

Stolperfallen

  • Es muss darauf geachtet werden, dass die Serie nicht kostenlose PR für die Parteien ist.
  • Diese Langzeitreportage ergibt nur Sinn, wenn die Partner auch miteinander über Politik reden. Wenn die Lösung für den Streit der Meinungen der ist, sie nicht auszutauschen, verliert die Reportage ihre Spannung.

Teaserbild (c) Fotolia - Coloures-pic

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