Musterkonzept

Transparenzoffensive

von Antonia Eichenauer

Entscheidungen transparent machen. (c) Fotolia - kantver

Es gibt immer drei Wahrheiten. Meine Geschichte, deine Geschichte und das, was wirklich passiert ist. Zeitungen versuchen das abzubilden, was wirklich passiert ist. Doch wie kann man den Lesern verdeutlichen, dass in der Zeitung keine persönliche Wahrheit, sondern eine objektive Sicht beschrieben wird?

Idee

Häufig kursieren falsche Vorstellungen von journalistischer Sorgfalt und Standards bei Recherche und Problemdarstellungen. Die Zeitung startet daher eine Transparenzoffensive. Entscheidungen, ob über Konzepte oder Auswahl und Platzierung von Nachrichten, und Recherchevorgänge werden direkt an die Leser kommuniziert. Ziel soll es sein, dass Leser nicht das Gefühl haben, dass hier eine Elite von Wächtern den Informationsfluss lenkt, sondern die Zeitung im Interesse der Leser und der Wahrheit agiert und versucht, ein Problem von möglichst vielen Seiten zu beleuchten.

Dreh

Etwas, das transparent ist, ist durchschaubar. Es ist verständlich und nachvollziehbar. Es täuscht nicht vor, etwas zu sein, sondern es ist, was es ist. Zeitungen können durch transparente Abläufe, den Lesern ihre Arbeit durchschaubar machen und so zu mehr Glaubwürdigkeit gelangen.

Veröffentlichungswege

Print - Editorial

In der Zeitung kann der Leiter der Lokalredaktion in einer regelmäßigen Kolumne bekannt geben, welche schwierigen Entscheidungen bei der Produktion der Ausgabe zu treffen waren und wie die Redaktion zu einer Lösung gekommen ist.

Online - Hintergrundgeschichten

Die Lokalredakteure der Zeitung führen einen gemeinsamen Blog, auf dem sie ihre eigene Arbeit schildern. Sie erzählen dort in persönlichen kurzen Geschichten, an welchen Geschichten sie gerade arbeiten, mit wem sie dafür gesprochen haben und wo sie waren. Über die Kommentarfunktion können Leser Tipps geben, welche Stationen sie für ihre Recherche noch ansteuern sollten.

Social Media - Mikroblogging

Der kurze Bericht über die Arbeit kann auch auf Twitter oder auf Facebook erfolgen. Wenn die Redaktion Snapchat oder Instagram nutzt, bietet es sich an, wochenweise einem Redakteur den Account zu überlassen. Dieser filmt in kurzen Sequenzen seinen Tagesablauf, erklärt, was er gerade macht, und lässt die Leser so ganz nah an seinen Arbeitsalltag heran.

Aktion

Die Zeitung bietet einen „Tag der offenen Redaktion" an. Eingeladen werden Leser, die an der Glaubwürdigkeit der Redaktion zweifeln, genauso wie treue Stammleser. Sie bekommen Einblicke in das Tagesgeschäft der Redaktion und werden in Workshops mit dem Presserecht und Pressekodex vertraut gemacht.

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Menschenmasse

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Teaserbild (c) Fotolia - Coloures-pic

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