Und ewig grüßt der Landrat

23.06.2014 – 27.06.2014

Wie Lokalredaktionen der kommunalpolitischen Tristesse entkommen

Ausschnitt des Flyers

Für eingeloggte Nutzer gibt es hier den Seminarreader als PDF-Download.

Modellseminar für Lokaljournalisten und -journalistinnen von Tageszeitungen in Gummersbach

Kommunalpolitik ist Pflichtprogramm für Lokalredaktionen, auch wenn so mancher etwas Lästiges darin sieht. Stundenlange Ausschusssitzungen langweilen. Wer das 1:1 zu Papier bringt, muss sich nicht wundern, wenn sich seine Leserinnen und Leser gleichgültig abwenden und die eigene Freude an der Arbeit verloren geht. Doch viele Themen sind mehr als dröge Pflicht, sie sind von hoher Relevanz für die Menschen vor Ort.

Wir wollen in diesem Modellseminar gemeinsam Antworten auf folgende Fragen finden: Wie können Lokalredakteurinnen und -redakteure interessante Geschichten in ihrer Stadt entdecken – jenseits lästiger Chronistenpflicht? Wie lassen sich jene Geschichten spannend in Print, Online und Mobile erzählen? Wie können Lokalredaktionen das Gespräch zwischen Kommunalpolitik und Bürgerinnen und Bürgern moderieren und vertiefen?

Stabile Demokratien brauchen selbstbewusste Menschen, die zunehmend vor Ort frühzeitig in Entscheidungen eingebunden werden wollen. Die Leute fordern landauf landab mehr Transparenz und Teilhabe. Stuttgart 21 oder die Bürgerentscheide zur Olympia-Bewerbung in Bayern sind nur die bekanntesten Beispiele dieses neuen Selbstbewusstseins gegenüber Politik und Verwaltung.

Stabile Demokratien brauchen aber auch mutige Lokalredakteurinnen und -redakteure, die für diese Transparenz sorgen. Wie steht es überhaupt um das Verhältnis zwischen Lokalredaktionen und Politik? Wie viel Nähe zur Bürgermeisterin oder zum Landrat darf, wie viel Distanz muss sein? Auch diese Fragen sind Themen des Modellseminars.

In vier Arbeitsgruppen werden wir neue Strategien für Print und Online entwickeln und dabei auch die Perspektive der Leserschaft einnehmen.

Hier gibt es den Flyer als PDF.

Arbeitsgruppen

AG 1: Stadtgespräch werden: Alltägliches spannend erzählt

Verschnarchte Jugendhilfeausschüsse und trockene Haushaltsentwürfe: Kommunalpolitische Berichterstattung, die den Leser interessiert, ist eine der größten lokaljournalistischen Herausforderungen. Im täglichen Redaktionsstress fehlt es oft an Ideen, um Zahlen und Beschlüssen Leben einzuhauchen. In der Arbeitsgruppe sollen darum anhand konkreter Beispiele alternative Erzählformate erarbeitet werden, die sich auch mit wenig Zeitaufwand umsetzen lassen.

AG 2: Leserschaft beteiligen: Brücken bauen zur Politik

Bürgerinnen und Bürger wollen politische Beteiligung, Kommunalpolitikberichterstattung aber interessiert sie kaum. Die Kommunikation zwischen Bürgern und Rathaus ist eher schleppend. Lokalmedien können Plattformen sein, auf der die beiden wieder zusammenkommen. Die Arbeitsgruppe analysiert Defizite in der Kommunikation, erarbeitet Strategien für Redaktionen, wie Leser in die öffentliche Diskussion besser einbezogen werden können und lotet Grenzen der Bürgerbeteiligung in der Berichterstattung aus.

AG 3: Dranbleiben: zwischen Chronistenpflicht und Hetzjagd

Der Kumpel vom Stadtrat hat den Architektenauftrag bekommen, aber die Opposition schweigt. Das drehen wir weiter! Leicht gesagt. Die Arbeitsgruppe entwirft einen Fahrplan, wie man Themen im Lokalen setzt und über mehrere Ausgaben und Kanäle erzählt. Darüber hinaus entwickeln wir Kriterien dafür, wann der journalistische Auftrag aufhört und die Grenze zur Kampagne überschritten ist.

AG 4: Wo Quellen sprudeln: neue Recherchewege im Lokalen

Grillparty bei der Landrätin, ein kleiner Belohnungstext für den Tippgeber aus dem Stadtrat – wie nah darf man kommen, wie weit darf man als Journalist gehen, um an seine Informationen zu gelangen? Und wo kommen diese Informationen eigentlich her? Was findet man im Internet, wie lassen sich soziale Netzwerke nutzen? Wer muss Auskunft geben, wer nicht? Diese Fragen sollen anhand von konkreten Beispielen in der Arbeitsgruppe diskutiert und am Ende beantwortet werden

Veranstalter
Bundeszentrale für politische Bildung / bpb
Fachbereich Multimedia / Journalistenprogramm

Seminarleitung
Marc Rath, Lokalredakteur Altmark, Volksstimme
Johann Stoll, Leitung Lokalredaktion, Mindelheimer Zeitung

Arbeitsgruppenleitung
Sarah Brasack, Redaktionsleiterin Oberberg, Kölner Stadt-Anzeiger
Christina Knorz, Ressortleiterin Region, Nordbayerischer Kurier
Dr. Petra Waschescio, Redaktionsleiterin, Ruppiner Anzeiger
Sebastian Tauchnitz, Lokalredakteur, Thüringer Allgemeine

Dokumentation
Volker Dick, Freier Journalist, der Textkomplize

Zielgruppe
Das Modellseminar richtet sich an das Führungspersonalund den Führungsnachwuchs in Tageszeitungsredaktionen.

Konzept
Dieses Seminar der Bundeszentrale für politische Bildung/ bpb ist als Modellseminar konzipiert. In fünf Tagen hören die Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten Vorträge, diskutieren mit Experten und bringen eigene Erfahrungen aus der Tageszeitung ein. In den Arbeitsgruppen erarbeiten sie praxisnahe Konzepte. Die Modellseminare sind ein wichtiger Bestandteil des Lokaljournalistenprogramms der bpb.

Kosten
Die Seminargebühr beträgt 120 Euro und ist am Anreisetag zu bezahlen. Die Verpflegungs- und übernachtungskosten übernimmt der Veranstalter. Fahrtkosten werden nicht erstattet.

Tagungsort
Theodor-Heuss-Akademie
Theodor-Heuss-Straße 26
51645 Gummersbach
Tel +49 (0)2261 3002-121
Fax +49 (0)2261 3002-135
www.freiheit.org

Tagungsorganisation
Nicole Lehmann
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
FBE – Multimedia/Journalistenprogramm
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Tel +49 (0)228 99515-562
Fax +49 (0)228 99515-405
nicole.lehmann@bpb.bund.de

Noch Fragen zum Seminarinhalt?
Berthold L. Flöper
floeper@bpb.de
www.bpb.de/lokaljournalistenprogramm
www.drehscheibe.org

Ort: Gummersbach

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