Wir machen uns fit!

26.05.2014 – 28.05.2014

Recherche Rechtsextremismus vor Ort

Ausschnitt des Flyers

Redaktionskonferenz für Lokaljournalisten und -journalistinnen von Tageszeitungen in München

Rechtsextremismus schürt Ängste, verstärkt Vorurteile und ist eine Gefahr für die Demokratie. Doch selten ist  der Nährboden für gewaltbereite, menschenverachtende, rechtsextreme Untergangsszenarien so fruchtbar wie in Zeiten von Krisen und Unsicherheiten. Wachsende Flüchtlingsströme und Migration entfachen unter anderem Zuwanderungsdebatten, die eher problem- als lösungsorientiert geführt werden. Alarmierend sind aktuelle Studien, die belegen, dass diskriminierende Einstellungen gegenüber bestimmten Menschengruppen mehr und mehr in der deutschen Bevölkerung verankert sind. Glatze und Springerstiefel waren gestern. Rechtsextreme verbreiten ihr Gedankengut heute wesentlich subtiler.  Sie tarnen sich als hilfsbereite Nachbarn, nutzen gezielt das Internet, allen voran die sozialen Netzwerke. Rechtsextremisten engagieren sich gern in strukturschwachen Regionen, in Kleinstädten und Dörfern. Sie unterwandern Vereine und Verbände, organisieren Jugendlager, Sonnwendfeiern und Dorffeste. Daher kommt gerade Lokaljournalistinnen und -journalisten im Kampf gegen Rechtsextremismus und Intoleranz eine verantwortungsvolle Rolle zu. Im Zusammenhang mit den NSU-Morden mussten sich Journalisten insgesamt den Vorwurf anhören, als Frühwarnsystem versagt zu haben.

Journalisten haben berechtigte Ängste, in der gewaltbereiten Neonazi-Szene zu recherchieren. Wann, wie oft und worüber können und müssen Journalisten berichten? Ein Patentrezept gibt es nicht. Aber viele Kolleginnen und Kollegen in Print, Online und Hörfunk treibt die gleiche Frage um. Auf der zweitägigen Redaktionskonferenz zum Rechtsextremismus in München werden in den Arbeitsgruppen praxisnahe Konzepte erarbeitet, auch für den Umgang mit Opfern rechtsextremer Gewalt.

Inge Seibel
Freie Journalistin, Hamburg

Berthold L. Flöper
Leiter Lokaljournalistenprogramm
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

Hier gibt es den Flyer als PDF.

Hier gibt es das Programm als PDF.

Arbeitsgruppen

AG 1: Rechtsextremismus im Redaktionsalltag – Beispiele und Handlungsmaxime

Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Diskriminierung – in dieser Arbeitsgruppe wollen wir das Bewusstsein dafür schärfen, wie leicht wir in der täglichen Redaktionsarbeit mit Vorurteilen oder rechtsextremem Gedankengut in Berührung kommen können. Dabei stellen sich viele Fragen: Woran erkennt man, ob manche Teile der Gesellschaft von Rechtsextremisten unterwandert werden? Wie darüber berichten, ohne den Agitatoren eine Bühne zu bieten? Was tun gegen Gewalt und Einschüchterungsversuche?

AG 2: Viraler Hass – Rechtsextremismus im Netz

Leserbriefe und Flugblätter waren gestern – via QR-Codes und Apps bringen Neonazis ihre Propaganda auf Smartphones und Tablets. Sie tummeln sich in sozialen Netzwerken, in Online-Communities und auf privaten Seiten.  Um rechtsextreme Inhalte im Netz zu erkennen und  einzuordnen (z. B. Symbole, Codes, Kampagnen), muss man sich selbst im Netz und in der Recherche in sozialen Netzwerken auskennen. Wie verschlüsselt man seine Daten? Wie erkennt man gefährliche Botschaften in Geheimcodes und rechtsextreme Forenschreiber? Welche Tools helfen?

AG 3: Tipps und Tricks für die lokale Berichterstattung

Allzu oft wird über Rechtsextremismus nur ereignisbezogen berichtet, wie es bei den Morden der „Zwickauer Terrorzelle“ beispielsweise der Fall war. In dieser Arbeitsgruppe entwickeln wir einen multimedial ausspielbaren Jahresplan wider den Rechtsextremismus und setzen auf unaufgeregte und kontinuierliche, statt skandalöse und konjunkturelle Berichterstattung. Unsere Themen spannen sich von gewaltverherrlichenden Musik-CDs, über Handreichungen für den Umgang mit Neonazis bis zu Anlaufadressen bei Gewalt und Einschüchterungsversuchen. Im Idealfall ergänzen wir das durch eine Datenbank für Experten und Recherchequellen.

AG 4: Alles eine Frage der Qualität – So machen wir den Lokalteil besser

Was ist eigentlich Qualität? Was macht einen guten Lokalteil aus? In der Arbeitsgruppe werden Standards für Qualität im Lokalteil erarbeitet. Es werden Konzepte entwickelt, die den Inhalt(smix) und die Organisation im Blick haben und ein Rüstzeug zusammengestellt, das wir unseren freien Mitarbeitern an die Hand geben müssen. Ziel ist es, Checklisten zu erarbeiten, innovative Formate zu finden und Selbstvertrauen für neue Wege zu vermitteln.

Veranstalter
Bundeszentrale für politische Bildung / bpb
Fachbereich Multimedia / Journalistenprogramm

Seminarleitung
Inge Seibel, Freie Journalistin, Hamburg

Arbeitsgruppenleitung
Liane von Droste, Freie Journalistin, Glienicke/Nordbahn
Anke Vehmeier, Freie Journalistin, Bonn
Martin Knabenreich, Chefredakteur, Radio Bielefeld

Zielgruppe
Das Seminar richtet sich vor allem an Lokalredakteurinnen und -redakteure sowie feste freie Journalistinnen und Journalisten von Tageszeitungen, Radio und Online.

Konzept
Bei diesem Seminar der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb handelt es sich um eine Redaktionskonferenz mit Gästen. Sie bietet einen dreitägigen Erfahrungsaustausch mit Lokalredakteurinnen und Lokalredakteuren von Tageszeitungen, Radio- und Onlineredaktionen. Die Journalistinnen und Journalisten erarbeiten in den Arbeitsgruppen praxisnahe Konzepte.

Die Redaktionskonferenzen sind neben den Modellseminaren ein wichtiger Bestandteil des Lokaljournalistenprogramms der bpb.

Kosten
Die Seminargebühr beträgt 80 Euro und ist am Anreisetag zu bezahlen. Die Verpflegungs- und Übernachtungskosten übernimmt der Veranstalter. Fahrtkosten werden nicht erstattet.

Tagungsort
Institut zur Förderung publizistischen
Nachwuchses e. V. (ifp)
Kapuzinerstr. 38
80469 München
www.ifp-kma.de

Tagungsorganisation
Gabriele Bommel
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
FBE – Multimedia/Journalistenprogramm
Adenauerallee 86, 53113 Bonn
Tel +49 (0)228 99515-552
Fax +49 (0)228 99515-405
bommel@bpb.de

Vor Ort: Marion Bacher, Volontärin der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

Noch Fragen zum Seminarinhalt?
Berthold L. Flöper
floeper@bpb.de
www.bpb.de/lokaljournalistenprogramm
www.drehscheibe.org
www.hoerfunker.de

Ort: München

Zurück